Steueroptimierte Finanzierung

Eine Vielzahl von Firmenübernahmen wird mangels Eigenmittel durch die zukünftigen Gewinne des Unternehmens finanziert. Wird ein beträchtlicher Kaufpreisteil auf diese Weise beglichen, kann die Gründung einer Erwerbsholding steuerlich sinnvoll sein. Auf diese Weise lassen sich private Steuerfolgen, ausgelöst durch die Gewinnausschüttung zur Begleichung der Zinslast, verhindern.

Die Finanzierung des Kaufpreises ist eine der grössten Hürden bei der Nachfolgeregelung. Junge Nachfolger müssen die Unternehmensübernahme mangels eigener finanzieller Mittel meistens durch zukünftige Gewinne des Kaufobjektes finanzieren. In diesem Fall wird eine Übergangsfinanzierung benötigt. Besonders nachteilig dabei ist, dass die zur Bedienung der Finanzschulden (Zinsen und Amortisation) ausgeschütteten Gewinne der Einkommenssteuer unterliegen. Mit einer Holdinggesellschaft, die, anstelle des Übernehmers als Privatperson, die Gesellschaftsanteile erwirbt, kann die Übernahmefinanzierung praktisch steuerfrei gestaltet werden. Der so vermiedene Substanzverlust an den Fiskus kann zur schnelleren Amortisation der Finanzierungsschuld eingesetzt werden.

Beispiel:
Der Unternehmer M. Muster verkauft seine Firma, die ABC AG, an seinen Nachfolger B. Jung für CHF 2 Mio. B. Jung kauft die Aktien der ABC AG nicht direkt von M. Muster, sondern gründet die Akquisitionsgesellschaft JUNG Holding AG mit einem Aktienkapital von CHF 500‘000. Die JUNG Holding AG kauft die Aktien von M. Muster und finanziert den Kaufpreis der Aktien der ABC AG mit einem Bankdarlehen von CHF 1 Mio., mit einem Verkäuferdarlehen von CHF 500‘000 und mit Eigenkapital von CHF 500‘000 (Aktienkapital der JUNG Holding AG). Die ABC AG entwickelt sich planmässig und erwirtschaftet Gewinne. Diese werden als Dividende (CHF 400‘000) steuerfrei an die JUNG Holding AG (Holdingprivileg) ausgeschüttet. Mit diesem Mittelzufluss bezahlt die JUNG Holding AG die jährliche Amortisation von CHF 300‘000 und die Zinsen von CHF 60‘000. Die Abwicklung über eine Holdinggesellschaft entlastet den Käufer von den Steuern auf den Dividenden der ABC AG. Die Steuerersparnis wird stattdessen für die Darlehensverzinsung sowie -rückzahlung eingesetzt.

Der Steuervorteil kann kurz- und mittelfristig erheblich sein und die Amortisationszeit und das finanzielle Risiko einer Akquisition deutlich reduzieren. Dem gegenüber stehen jedoch höhere administrative Aufwände sowie erhöhte Strukturkosten (z. B. Gründungskosten, Buchhaltung, Abschlusserstellung etc.).

Theoretisch ergibt sich zudem ein Haftungsvorteil der Erwerbsholding-Variante gegenüber dem Privaterwerb, weil die Kaufpreisschuld nicht privat, sondern bei der Holding besteht. In der Praxis verlangen die Fremdkapitalgeber aber oft zusätzliche Sicherheiten. Die Erwerbsholding-Lösung wird oft als «Schönwetterstruktur» bezeichnet, da sie auf eine nachhaltig gute Ertragslage des zu kaufenden Unternehmens abstellt und auf Ergebnisstörungen relativ unflexibel reagiert.

Sofern ein beträchtlicher Kaufpreisteil fremdfinanziert wird, lohnt es sich, die Variante einer Akquisitionsgesellschaft zu prüfen. Die Erwerbsholding-Struktur kann sich je nach konkreter Situation bereits bei einem Kaufpreis ab rund CHF 1 Mio. lohnen. Die Möglichkeiten sind jedoch im Einzelfall zu prüfen und Rat bei einem entsprechenden Fachexperten einzuholen.